Freitag, 1. Februar 2013

Du bist, was du postest?




Ist es nicht ziemlich gemütlich hier in unserer Internetwelt?
Wir können alles machen, was wir wollen. Alles schreiben, jedes Bild reinstellen, jedes Video hochladen, alles posten, was wir möchten.
Naja, ein paar Beschränkungen gibt es – man darf nicht hetzen, Kinderpornos sind verboten usw., das ist auch richtig. Aber Zensur im Internet soll hier nicht mein Thema sein.

Ich wollte mal drüber schreiben, wie sich Leute im Internet so geben im Vergleich zum sog. REAL LIFE.
Ich gehe erst einmal von mir aus: Ich gebe mich im Internet meistens so, wie ich auch wirklich bin. Ich sage offen meine Meinung und versuche niemanden zu beleidigen. Ich zeige es, wenn es mir gut geht. Ich möchte meine Erlebnisse teilen und anderen auch schöne Sachen zeigen, die ich so finde. Aber so wie im echten Leben bin ich eben auch mal traurig, wütend, enttäuscht. Auch das zeige ich im Internet. Ich schreibe darüber in Tweets oder wie letztens hier in einem Blog. Ich finde, sowas gehört zum Verarbeiten dazu – man muss über Sachen und Gefühle sprechen. Und das gehört zum Leben dazu.
Wenn ich bei Leuten immer nur fröhliche, positive Sachen lese, dann denke ich mir: Ist der wirklich so? Hat er keine schlechten Zeiten? Spielt er eine Rolle? Wer ist dieser Mensch wirklich?

Leider ist es so, dass einige Leute ungerne negative oder gar depressive Sachen, auch „Emo-Zeug“ genannt, lesen möchten. Ich habe viele Nachrichten bekommen, dass die Leute nicht möchten, dass ich so negative Dinge schreibe. Einige waren besorgt, andere merkwürdigerweise wütend. Ich verstehe nicht ganz, wie meine schlechte Stimmung andere Menschen wütend machen kann, aber ich versuche es zu verstehen.

Nach so viel Gegenwehr habe ich mich für 2 Wochen komplett aus dem Internet zurück gezogen – ich habe mein iPhone ausgemacht (nur über SMS oder Anruf auf altem Handy erreichbar) und bin auf keine Plattform im Internet gegangen – habe nur Mails gecheckt.
Nach den 2 Wochen bin ich auf die ganzen Plattformen zurück gekehrt. An meiner Stimmung hatte sich aber nichts geändert, also habe ich einfach so weitergemacht, wie woher. Doch das stört tatsächlich viele.

Paradoxerweise haben kürzlich Studien der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt Universität Berlin ergeben, dass Facebook-User oft frustriert und traurig sind (Link zur Studie http://warhol.wiwi.hu-berlin.de/~hkrasnova/Ongoing_Research_files/WI%202013%20Final%20Submission%20Krasnova.pdf – Tabelle auf Seite 4 ist interessant).
Facebook-User stellen meistens positive Dinge ein: Fotos aus dem Urlaub, von der letzten Party, neue Klamotten, neue Liebe, neues Videospiel. Einige regen sich gerne auf und hoffen meistens auf Zuspruch der anderen, aber die wenigsten machen ein Foto davon, wie sie z.B. weinen. Man möchte keine Schwäche zeigen, auf negative Erlebnisse und falsche Entscheidungen ist niemand stolz. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild von dem User. Man sieht so die Einträge bei Facebook und fängt an sich schlecht zu fühlen. Anscheinend geht es allen super und sie kriegen ihr Leben auf die Reihe. Wenn ihr größtes Problem die kaputte XBOX ist, dann habe ich echt die mega große Probleme…
Diese Studie hat also auch ergeben, dass Menschen sich im Internet positiver zeigen, als sie sind und das macht andere Menschen auch noch traurig, neidisch, wütend.
Irgendwie läuft das doch alles verkehrt, oder?


Nun frage ich mich:

Sollte man im Internet nur über Positives schreiben?
Ist das dann nicht so, als würde man sich verstellen?
Sollte man eine Rolle im Internet spielen?
Ist die virtuelle Identität eine ganz andere als die im RL?

Ich gehe davon aus, dass ich ein relativ unbekannter Mensch im Internet bin. Ich bin ein ganz normaler User, wie andere auch. 
Aber da gibt es zum Beispiel die „großen“ YouTuber, die oftmals schon zu richtigen Stars geworden sind. Und Stars haben die Eigenschaft, dass sie Vorbilder sind. Massen an Menschen begeistern sich für das, was sie machen und was sie sagen.
Ich finde das ganz schön schwierig und gefährlich.
„Normale“ Menschen werden berühmt und müssen plötzlich damit umgehen, dass ihre Taten und Aussagen Auswirkungen haben.

„Ach wisst ihr: Schule ist nicht so wichtig. Das Zeug, was man dort lernt braucht niemand. Genießt lieber eure Jugend – jeder sollte mal abstürzen. Alkohol ist okay, Gras kann man auch mal probieren. Hab das alles durchgemacht und aus mir ist trotzdem etwas geworden.“

So etwas kann man (wenn man denn will) in einem persönlichen Gespräch sagen. Da weiß man, wer diese Worte empfängt und kann darüber diskutieren.
Aber wenn man das als relativ bekannte Person „öffentlich“ (also irgendwo im Internet) widergibt, dann hat das Folgen.
Junge Menschen suchen nach etwas, an dem sie sich festhalten können. Sie wollen herausfinden, wer sie sind und was im Leben wichtig ist. Und sie lassen sich leicht beeinflussen.
Ich lasse mich auch manchmal beeinflussen, aber mittlerweile bin ich 24 Jahre alt und habe ein paar Erfahrungen gesammelt. Ich kann auf mich aufpassen und eigene Entscheidungen treffen. Dreizehnjährige können das nicht.

Für wie wichtig man Schule hält und was man zu Drogen meint – Volljährige können das selbst entscheiden. Aber Minderjährige nicht. Es ist unsere Pflicht sie zu schützen.
Ich möchte kein spießiger Moralapostel sein.
Aber wenn ich mir vorstelle, dass ein junger Mensch wegen meinen Aussagen die Schule vernachlässigt, sich rumtreibt, keinen Abschluss macht, keinen Job findet, am Rande der Gesellschaft landet – dann könnte ich mir das nicht verzeihen.
Einige schaffen auch nach „Absturz-Zeiten“ die Kurve zu bekommen und alles wird gut. Aber das klappt meistens nur durch Rückhalt von Familie/ Freunden oder mit viel Glück.

Naja gut, ich hab jetzt hier irgendwie über zwei Themen geschrieben:
1. Kann man im Internet auch negative Gefühle zeigen oder sollte man sich nur positiv geben, weil das den Leuten besser gefällt?
und 2. Kann man als relativ bekannter „Internetstar“/ YouTube-Bekanntheit über Dinge schreiben, die junge Menschen eventuell negativ beeinflussen könnten?

Nachdem ich jetzt ein paar Jahre in diesem Internet rumhänge, habe ich eins gelernt: Ich muss bei ALLEM was ich poste – Schrift, Bilder, Videos, Audio – aufpassen und ganz genau über die Folgen nachdenken.
Einige Themen sich für mich absolut tabu: eigene Sexualität, Religion und alles, was mit meiner Familie zu tun hat. Ich habe für mich entschieden, dass diese Themen über mich nicht ins Internet gehören.
Bei allen anderen Themen muss ich genau überlegen.


Also ist das Internet doch nicht so frei, wie wir glauben? 
Müssen wir hier nicht genauso aufpassen, was wir sagen, wie im RL?
Auch im Internet kann man Menschen verletzen oder wütend machen.

Und auch bei diesem Blogeintrag überlege ich wieder, ob es besser wäre, das alles nicht zu schreiben…

Sonntag, 27. Januar 2013

FOLTER FÜRS HERZ


FOLTER FÜRS HERZ

Grauer dichter Neben um mich herum…
Ich sehe kaum, alles ist betäubt...
Mein Körper gehört nicht zu mir, er schwebt irgendwo nebenher.
Ich sehe beim Gehen wie meine Füße sich bewegen
aber ich spüre sie nicht, steuere sie nicht.
Irgendwelche Menschen sind neben mir, sie sprechen,
ich höre nur Rauschen, Geräusche ohne Sinn.
Meine Augen schmerzen, sind vertrocknet und rot.
Mein Kopf ist so schwer, dass er wohl gleich herunterfällt – Kopf verloren.
Traumatisiert.
Mein Körper fühlt sich leer an, hohl, innen ist alles tot, getötet.
Das Herz hat aufgehört zu schlagen.
Kein Gefühl für mich selbst, kein Gefühl für die Welt,
kein Gefühl.

Solange bis diese Bilder kommen, wie Stroboskopblitze,
wunderschöne perfekte Bilder der Vergangenheit,
diese grausam wundervolle Erinnerung
und die Gewissheit einer alten Welt die nicht mehr existiert.
Immer wieder Bilder, Gerüche, Gedanken und Gefühle,
sie kommen unerwartet, schlagartig.
Wie in Zwangshypnose,
vergangene Erlebnisse wiederhergestellt hinter den Augen
um die Seele zu quälen und lautlos rinnen die
Tränen unaufhörlich.

Plötzlich unerwartet seine Worte dort!
So schrecklich schmerzhaft,
ein Stechen im Auge, ein Stechen im Kopf, ein Stechen im Herzen,
Schmerzen.
Hundert Gedanken, gegensätzliche Gefühle
und am Ende nur Verletztheit, große Enttäuschung und unendliche
Traurigkeit.
Unglaubliche Traurigkeit, wie Tiefen im Meer,
dunkel und voller Tränen.
So viele Tränen.
Kraftlosigkeit in dunklem Nebel, Eiseskälte, hoffnungslos.
Keine Chance für die Zukunft, keine Träume, kein Glück, kein Licht,
nur tiefe düstere Abgründe ohne Farben
nur Schwarz und Grau
für immer.

Als würde jemand mit der Faust meinen Brustkorb durchbrechen,
splitternde Rippen, reißendes Fleisch.
Mit der Hand nach meinem Herzen greifen
und es mit mächtiger Kraft zerquetschen.
Das blutige Herz quillt zwischen den Fingern hervor.
Das Herz wird stärker und stärker gepresst
bis es schließlich ächzend zerspringt.
Das Herz grausam aus dem Körper gerissen,
wird es auf den kalten, dreckigen Boden geschmissen.
Und zertrampelt, mit aggressiver Energie und schweren Stiefeln
werden die Herzfetzen zertreten
und teilen sich in 1000 winzige Stücke.
Das Herz soll nie wieder schlagen,
es soll nicht ein einziges Mal mehr Freude haben.
Die schimmernde Illusion der  L I E B E  vergessen,
verdrängen,
ihre Existenz niemals mehr spüren.

Geist und Seele, Körper und Verstand
heruntergerissen in die Tiefen.
Für immer verloren, 
wie tot.